Protagonisten Interview: Couture von Emma S. Rose

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Hallo liebe Leser,
heute haben Annika, Sabine und ich uns im Rahmen der Romancewoche mit Felicia im Couture verabredet. Das Couture kann man wohl als neue In-Kneipe bezeichnen, jeden Abend trifft sich hier die halbe Stadt auf ein paar Drinks. Felicia arbeitet hier seit kurzem und wird uns heute Rede und Antwort stehen.

Hallo Felicia, herzlich willkommen zu unserem Interview. Mixt du uns bitte drei Lady Killer
Nennt mich doch Feli. Alle meine Freunde nennen mich so. Gerne, drei Lady Killer für euch.
Feli beginnt, Gin, Brandy und Cointreau abzumessen.

Isabell und du habt eure Eltern sehr früh bei einem tragischen Unfall verloren. In welchen Situationen vermisst du sie am meisten?
Besonders schlimm ist es tatsächlich an den „großen“ Feiertagen. Weihnachten, Silvester, unsere Geburtstage, aber auch ihre Geburtstage, denn dann überfluten mich Erinnerungen an sie, ohne dass ich es verhindern kann. Wir hatten so viele Traditionen. Manchmal waren es nur Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass das Geburtstagskind immer aussuchen durfte, wohin wir abends zum Essen fahren. Den selbstgemachten Eierlikör meiner Mutter. Dass wir uns an Weihnachten dem Alter nach Sortiert nach und nach einzeln Geschenke ausgesucht haben. Lauter kleine, eigentlich unbedeutende Dinge, die es so persönlich gemacht haben. Isabell und ich haben eigene Traditionen eingeführt, weil die alten so schmerzen, aber es ist einfach nicht dasselbe.
Fast noch schlimmer sind allerdings die vielen, kleinen Situationen im Alltag, wenn ich einen mütterlichen oder väterlichen Rat gebrauchen könnte. Wenn etwas Besonderes geschieht, von dem ich denke: „Das hätte ich ihnen jetzt gerne erzählt.“ Wenn einem dann bewusstwird, dass sie nicht mehr da sind, fühlt es sich besonders schlimm an … Als würde ich jedes Mal aufs Neue den Verlust neu durchleben. Oder wenn ich in der Stadt Frauen in meinem Alter sehe, die offensichtlich mit ihrer Mutter Arm in Arm einen schönen Tag verbringen …

Nun gibt Feli auch Ananas – und Maracujasaft in den Cocktailshaker und beginnt zu shaken.

Du hast ja einiges durchmachen müssen. Was würdest du jemanden raten, der sich in einer ähnlich schwierigen Situation befindet?
Ich glaube, dass ich manchmal ein bisschen zu sehr versucht habe, Dinge alleine zu regeln. Klar, manches muss man alleine schaffen, aber mittlerweile weiß ich, dass es wichtig ist, Menschen um sich zu haben, die einem etwas bedeuten, auf die man sich verlassen kann. Man sollte nicht zu stolz sein, Hilfe auch mal anzunehmen. Und außerdem hilft es, daran zu denken, dass alles irgendwie, irgendwann in ein Gleichgewicht gerät. Es passiert viel Mist? Ja, verdammt, aber irgendwann wird es auch wieder bergauf gehen. Man muss fest daran glauben, dann ist es auch so! Also – falls du in einer ähnlichen Situation steckst: Gib niemals, wirklich niemals die Hoffnung auf, so abgedroschen das auch klingt!

Der Tod eurer Eltern hat ja auch einige finanzielle Probleme mit sich gebracht. Stell dir vor, du gewinnst eine Million Euro im Lotto – was würdest du mit dem Geld machen?
Oh Gott! Ich würde sofort einen großen Teil zurücklegen, damit Isabell niemals, wirklich niemals wieder so etwas durchleben muss, was sie einen Teil ihrer Kindheit erlebt hat. Sie soll immer die freie Wahl haben, soll in einem guten Zuhause leben, soll niemals zur Tafel gehen müssen. Auch will ich auf gar keinen Fall, dass sie jemals ihr Studium abbrechen muss, weil es am Geld scheitert.
Naja, und ich denke, ich würde uns ein Haus kaufen, unsere eigene persönliche Sicherheit. Wenn dann noch Geld übrigbleibt, würde ich uns einen ausgiebigen Urlaub spendieren, denn ich weiß nicht, wann wir das zum letzten Mal hatten. Das volle Programm mit Strand, blauem Meer und so.
Na super, jetzt habe ich Sehnsucht und Fernweh. Ich denke, ich sollte sparen. 🙂

Du arbeitest in einer Bar und mixt für deine Gäste unzählige Cocktails – welcher ist dein Lieblingscocktail?
Wenn ich jetzt sage, dass ich so viele Cocktails probiert habe, dass ich mittlerweile einfach ein gutes, kühles Bier bevorzuge, glaubt mir das vermutlich keiner, oder? So ist es aktuell tatsächlich. Aber wenn ich mal wieder Lust auf einen Cocktail habe, dann soll es ein Ruby Sin sein. Er besteht aus Zitronen-, Ananas- und Orangensaft, Grenadine, Pfirsichlikör und Wodka. Super erfrischend und fruchtig. Ein richtiges Frauengetränk in Rot.
So, eure Cocktails sind nun aber auch fertig. Bitteschön, drei Lady Killer für die Damen!

Feli schiebt uns drei Cocktailgläser zu, die sie noch mit Orangenscheiben dekoriert hat.

Vielen Dank, liebe Feli! Die sehen aber lecker aus! Prost, auf einen schönen Abend. Eine Frage hätten wir aber noch: Wie sollte denn dein Traummann sein?
Eine gute Frage. Ich glaube, ich habe mich bisher viel zu wenig damit beschäftigt, wie mein Traummann aussehen könnte, da ich immer andere Prioritäten hatte. In meinem Leben habe ich gelernt, dass es viel wichtiger ist, Menschen um sich zu haben, auf die Verlass ist. Ich denke, mein Traummann muss vor allem einfach für mich da sein, verlässlich eben – und auch akzeptieren, dass ich so eine enge Beziehung zu meiner Schwester habe. Offenheit ist mir auch sehr wichtig. Wenn dann noch intensive, wunderschöne Augen hinzukommen, bin ich verloren. 🙂
Letzten Endes ist es ja doch so, dass man irgendwann dem Richtigen einfach so über den Weg läuft. Man spürt es, wenn es soweit ist. Und ich glaube kaum, dass man dann sagt: „Nö, du bist blond, das will ich nicht“, oder? 🙂

Vielen Dank für das Gespräch, Feli!

 

Aus den Augenwinkeln sehen wir nun, dass sich der gutaussehende Typ hinten im Eck erhoben hat und auf die Bar zukommt. Das muss doch Chris sein?!

Hallo Chris!
Hallo die Damen, eine gute Wahl habt ihr da getroffen mit dem Lady Killer! Den Tequila Sunrise könnte ich nämlich nicht empfehlen 😉

Na, da haben wir aber auch schon eine Geschichte gehört…  Warum testest du denn immer einen Cocktail, der dir nicht schmeckt?
Das war ein dummes Spiel von mir, ich weiß. In dem Moment ist eine Sicherung bei mir durchgebrannt, könnte man sagen. Dass ich den Tequila Sunrise nicht mag, ist mir bewusst. Die anderen wissen es, weil wir darüber gequatscht haben. Ich schätze, ich wollte Felicia einfach irgendwie herausfordern. Sie scheint mir nicht wie ein Mädchen, das gut damit umgehen kann, in der Schuld anderer zu stehen. Damals hatte ich das Gefühl, dass sie mir gegenüber so empfand. Ich musste einfach irgendetwas dagegen tun. Und Wut hat da schon immer geholfen, ich spreche aus Erfahrung.

Was machst du eigentlich beruflich?
Am ehesten könnte man mich wahrscheinlich als Geschäftsmann bezeichnen. Ich habe eine Stiftung gegründet und arbeite dort hinter den Kulissen. Außerdem suche ich immer wieder Gespräche mit möglichen Partnern, erarbeite Hilfekonzepte und besuche die einzelnen Einrichtungen.

Was gefällt dir so gut am Couture, dass du dort Stammgast bist? Bestimmt nicht nur Felicia, immerhin warst du schon vorher Stammgast.
In erster Linie bin ich dort vorbeigekommen, weil mein Freund Alexej die Bar gekauft hat. Er hat mich damals einmal mitgeschleppt, und dann hat es mir dort gut gefallen. Das Ambiente, die Stimmung. Das Personal ist außerordentlich gut drauf – und das ist genau das, was ich brauche. Alleine zuhause ist mir so oft die Decke auf den Kopf gefallen, im Couture bin ich nie alleine, kann mich aber immer ausreichend abgrenzen, wenn mir die Menschen zu viel werden. Und wenn ich es will, finde ich dort immer jemanden, den ich mitnehmen kann. Oder besser gesagt – ich habe jemanden gefunden, denn mittlerweile ist meine Motivation dafür verschwunden. Es war von jeher eine win-win-Situation für mich.

Du hast ja schon fast ein kleines Ritual bei der Ankunft entwickelt. Warum schaust du immer einmal durchs Lokal, dann zur Theke und verziehst dich dann in deine Ecke?
Eine Angewohnheit, schätze ich. Ich schaue, wer so da ist. Ich bin eine Art Stammgast, und von denen gibt es einige. Ich denke, dass ich mich auf den Abend vorbereite, mich wappne, wenn ich mich umschaue. Früher war es egal, wohin mein Blick zuerst fiel. Aber seit Feliciaim Couture arbeitet, ist es jedes Mal aufs Neue aufregend. Ich zögere den Moment hinaus, die Hoffnung, sie zu sehen. Zu sehen, dass sie glücklich ist. Dass ich dazu beitragen konnte, dass es ihr bessergeht. Wenn sie nicht da ist, bin ich enttäuscht. Und wenn ich sie sehe, erschrecken mich meine Gefühle – und ich ziehe mich zurück. Verkorkst, nicht wahr?

Was für Gefühle hast du für Felicia?
Das ist eine Frage, die ich nur sehr schwer mit einem Satz beantworten kann. In erster Linie erinnert sie mich sehr an mich selbst. Wir haben beide vieles durchmachen müssen, haben Verluste erleiden müssen. Ich habe einen riesigen Respekt davor, wie sie ihr Leben meistert und versucht, nicht daran zu zerbrechen. Da kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Ich habe das Bedürfnis, sie zu beschützen. Sie ist so unglaublich stark für ihre Schwester, aber wer kümmert sich um sie? Ich sehe sie, die Einsamkeit in ihren Augen, wenn sie mal ihre Schwäche zulässt, und das berührt mich. Na gut, und ich fühle mich sexuell von ihr angezogen. Sie ist eine unglaublich attraktive Frau.
All diese Gefühle machen mir jedoch eine furchtbare Angst, denn ich habe geschworen, dass mir niemals wieder jemand so viel bedeuten darf. Ich will nicht wieder verletzt werden, wenn ich einen Menschen verliere. Nie mehr.

Vielen Dank für die ehrlichen Antworten, Chris!

Chris kehrt wieder zurück zu seinem Stammplatz, aber nicht, ohne Feli noch einen intensiven Blick zuzuwerfen. Nun sind wir aber schon gespannt, was sich hier zwischen Chris und Feli entwickelt.

 

Geboren und aufgewachsen ist Emma S. Rose im schönen Ostwestfalen. Im Mai 2014 verwirklichte sie ihren langgehegten Traum und veröffentlichte ihren Debütroman „Lina – Hoffnung auf Leben“. Seitdem schreibt sie fleißig an neuen Werken.

Aber schaut doch einfach bei den Blogs von Melanie und Angy vorbei, sie führen ein Interview mit ihr.

Wenn ihr neugierig auf das Buch geworden seit dann schaut doch am Freitag um 9.30 Uhr bei Phoebe und Luna vorbei. Sie veröffentlichen da ihre Buchvorstellung zu dem oben genannten Buch ^^

 

 

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3 Gedanken zu “Protagonisten Interview: Couture von Emma S. Rose

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